17 Februar 2026

Warum der Krieg eine rote Linie überschreitet – und warum Europa dennoch Ordnung braucht, nicht Dauerkrise
Frank Wiekhorst, Februar 2026
Wir brauchen einen klaren Kopf. Nicht, weil Gefühle illegitim wären – sondern weil Politik ohne Nüchternheit zur Pose wird. Russland ist für Deutschland gleichzeitig Nachbarraum, Risiko, Machtfaktor und – ja – potenzieller Partner. Wer das eine betont und das andere verschweigt, betreibt keine Außenpolitik, sondern verwechselt Analyse mit Gesinnung.
Der Angriff auf die Ukraine ist ein Bruch – der rote Linien sichtbar macht
Wenn wir über Europas Zukunft sprechen, müssen wir zuerst das Fundament klären: Ein Angriffskrieg ist nicht „einfach ein weiterer Konflikt“. Er ist ein Bruch der Grundannahme, auf der jede stabile Ordnung beruht: dass Grenzen nicht mit Gewalt verschoben werden.
Warum ist das ein Bruch?
- Weil Souveränität nicht verhandelbar ist. Wenn das Recht des Stärkeren gilt, ist jede kleinere Nation nur noch eine Zwischenstation. Wer Souveränität relativiert, relativiert nicht nur die Ukraine. Er relativiert das Prinzip. Und ja: Auch Washington flirtet gerade mit dieser Logik – Grönland ist dafür ein unangenehmes Beispiel.
- Weil Gewalt als Mittel Politik vergiftet. Wer Gewalt belohnt, lädt zur Wiederholung ein – durch Russland oder durch andere. Und genau hier beginnt der Denkfehler des „Unterwerfungspazifismus“: die Hoffnung, man könne Gewalt durch Nachgeben entschärfen. Das Gegenteil ist wahrscheinlicher. Wer Aggression mit Konzessionen beantwortet, macht Aggression attraktiv.
- Weil Verträge nur dann Sinn haben, wenn ihr Bruch Konsequenzen hat. Ohne Konsequenzen wird Diplomatie zur Theaterkulisse. In Moskau wie in Washington wird gerade sehr genau beobachtet, wozu Europa fähig ist. Denn am Ende zählt nicht, was wir sagen, sondern was wir durchsetzen. Europa wird neu bewertet: Diplomatie plus Konsequenzen – nicht Diplomatie statt Konsequenzen.
Ein zusätzlicher Punkt, der oft unterschlagen wird: Russland hat die Grenzen selbst anerkannt
Wer heute so tut, als seien die Grenzen der Ukraine „unklar“ oder „historisch verhandelbar“, ignoriert eine zentrale Tatsache: Die Nachfolgestaaten der Sowjetunion haben die bestehenden Grenzen nach dem Zerfall der UdSSR ausdrücklich bestätigt.
- Belovezha-Vereinbarungen (8. Dezember 1991): Politischer Akt, der das Ende der UdSSR als geopolitische Realität festhielt.
- Alma-Ata-Deklaration (21. Dezember 1991): Kollektive Bestätigung der territorialen Integrität und der Unverletzlichkeit der bestehenden Grenzen zwischen den neu unabhängigen Staaten.
- Russland–Ukraine Freundschaftsvertrag (1997): Spätere bilaterale Bekräftigung der Unverletzlichkeit der Grenzen.
Damit ist der Angriff nicht nur moralisch, sondern auch ordnungspolitisch nicht hinnehmbar: Er richtet sich gegen Prinzipien, die Russland selbst mitgetragen hat.
Russlands Gründe – und die unveränderte Kernlogik
Russland hat den großangelegten Angriff 2022 mit einer Mischung aus Sicherheitsargumenten, historischen Narrativen und Vorwürfen gegen die ukrainische Führung begründet. Die wiederkehrenden Bausteine waren:
- NATO-Osterweiterung / „Einkreisung“: Darstellung der Ukraine als vorgeschobener NATO-Raum und Forderung nach verbindlichen Zusagen.
- „Schutz“ russischsprachiger Bevölkerung: Behauptung systematischer Verfolgung, flankiert durch die Anerkennung der sogenannten „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk.
- „Entnazifizierung“ / Genozid-Vorwürfe: Schlagworte mit maximaler moralischer Aufladung, deren Tatsachengrundlage international weitgehend bestritten wird.
- Präventiv- bzw. Selbstverteidigungsargument: Darstellung eines bevorstehenden Angriffs als Anlass zum „Zuvorkommen“.
- Weitere Narrative (z. B. Biolabore, „historische russische Welt“): Ergänzende Erzählungen, oft ohne belastbaren Nachweis.
Der Punkt ist nicht, dass man diese Narrative nicht diskutieren darf. Der Punkt ist: Sie rechtfertigen keinen Angriffskrieg. Und sie ändern nichts an der Kernlogik: Grenzen wurden anerkannt – und dann mit Gewalt infrage gestellt.
Man kann all das sagen, ohne moralisch zu schäumen. Es reicht, die Logik ernst zu nehmen: Wenn Angriff sich lohnt, wird Angriff zur Option.
Was Russland vermutlich wirklich wollte: Motive (nicht Rechtfertigungen)
Die offiziellen Narrative erklären, wie Russland den Krieg verkauft. Die spannendere Frage ist: Warum hat Moskau das Risiko einer großangelegten Invasion überhaupt genommen?
Die plausibelste Antwort ist multikausal. Fünf Motive tauchen in Analysen immer wieder auf:
- Sicherheits- und geopolitische Logik: Einflusszone sichern, NATO-Annäherung der Ukraine verhindern, strategische Tiefe herstellen.
- Imperiale/ideologische Motive: Revision der postsowjetischen Ordnung, „russische Welt“, historische Deutungshoheit über Ukraine.
- Regime-Sicherung innenpolitisch: Mobilisierung, Ablenkung, Stabilisierung autoritärer Herrschaft durch äußeren Konflikt.
- Ökonomische/strategische Interessen: Häfen, Infrastruktur, Industriezentren, Energie- und Transitkorridore als Hebel.
- Fehleinschätzungen/Kalkulationsfehler: Überschätzung eigener Fähigkeiten, Unterschätzung ukrainischer Resilienz und westlicher Reaktion.
Wichtig: Diese Motive widersprechen sich nicht zwingend. Sie können sich gegenseitig verstärken – und erklären gemeinsam, warum aus „Druck“ eine Invasion wurde.
Die Lehre aus dem Budapester Memorandum: Sicherheitsgarantien haben heute keinen Wert mehr
Hier liegt eine der bittersten, aber aktuellsten Lehren aus dem russischen Angriff auf die Ukraine.
Nach dem Zerfall der Sowjetunion verzichtete die Ukraine auf die auf ihrem Territorium verbliebenen sowjetischen Atomwaffen. Auf ukrainischem Boden lagen zeitweise rund 1.700 strategische Sprengköpfe – die Ukraine galt damit für einen Moment als drittgrößte Nuklearmacht. Im Gegenzug erhielt sie politische Sicherheitszusagen – unter anderem von Russland, den USA und dem Vereinigten Königreich – zusammengefasst im Budapester Memorandum (1994).
Wichtig ist die nüchterne Unterscheidung:
- Das Memorandum war eine politische Zusicherung („assurances“) – kein Bündnisvertrag.
- Es enthielt keine automatischen Beistandsmechanismen wie sie ein echter Verteidigungsartikel hätte.
Spätestens mit der Annexion der Krim 2014 und der Invasion 2022 ist klar: Solche Zusagen können gebrochen werden – und die Reaktion der Garantiestaaten bleibt dann politisch, nicht zwingend militärisch.
Und es kommt eine zweite, unbequeme These hinzu: Selbst die USA knüpfen ihr Engagement zunehmend an Gegenleistungen. Wer genau hinsieht, erkennt eine transaktionale Logik: Unterstützung wird verhandelt, Vorteile werden eingepreist, und aus Wiederaufbau werden Vorteilsrechnungen.
Internationale Politik wird zunehmend als kalt kalkuliertes Geschäft geführt.
Die Konsequenz ist unangenehm, aber zwingend: Wer Sicherheit will, braucht Durchsetzungsfähigkeit. Papier allein schützt nicht.
Das ist die neue Zeit. Und vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis überhaupt: Die Welt, in die die nächste Generation hineinwächst, funktioniert nach anderen Regeln als die Welt ihrer Vorgänger.
Für Europa – und insbesondere für Deutschland – ist deshalb nicht die Diagnose entscheidend, sondern die Reaktion: Haben wir verstanden, was sich verschoben hat? Und ziehen wir daraus Konsequenzen für unsere eigene Durchsetzungsfähigkeit?
Nüchtern bleiben heißt auch: Die Ukraine war vor dem Krieg kein Beitrittskandidat ohne Baustellen
Zum vollständigen Bild gehört eine zweite Nüchternheit: Die Integration der Ukraine in EU und NATO war bereits vor dem Krieg mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden.
Die größten internen Hemmnisse lagen – und liegen – vor allem in:
- Korruption (auch auf hoher Ebene)
- Unabhängigkeit der Justiz / Rechtsstaatlichkeit
- Oligarchischer Einfluss und Medienkonzentration
- Schwache öffentliche Verwaltung und begrenzte Umsetzungskapazität
- Finanzkontrolle und öffentliche Beschaffung
Das beeinflusst zwei Dinge zugleich:
- die politische Bereitschaft der Partner, Risiken zu übernehmen
- die praktische Fähigkeit, Reformen umzusetzen und Standards zu erfüllen
Das ist kein Vorwurf und keine „Heiligsprechungs-Verweigerung“. Es ist schlicht Realität: Ein Krieg macht ein Land nicht automatisch reformiert. Wer die Ukraine nur noch als Symbol behandelt, verhindert am Ende genau das, was sie braucht: belastbare Institutionen.
Und ja: Es gab und gibt auch äußere Hemmnisse – der Krieg selbst ist das größte. Aber wer ernsthaft über Beitritt, Sicherheitsarchitektur und Wiederaufbau spricht, muss beides gleichzeitig sehen: äußere Bedrohung und innere Reformfähigkeit.
Und genau hier beginnt die europäische Ebene: Wer die Ukraine nüchtern beurteilt, muss Europa als Ordnungs- und Sicherheitsraum denken – also als System von Normen, Interessen und Durchsetzungsfähigkeit.
Der Schluss ist unbequem, aber notwendig: Vor 2022 war die Ukraine kein Beitrittskandidat auf der Zielgeraden. Der Krieg hat das Land nicht automatisch institutionell verbessert – aber er hat es moralisch und politisch rehabilitiert. Das ist menschlich verständlich. Strategisch ist es riskant, wenn Zustimmung die Kriterien überholt.
Helmut Kohl hatte recht: Europa ohne Russland ist langfristig undenkbar
Jetzt der schwierige Teil, den viele vermeiden: Russland verschwindet nicht. Es bleibt geografisch, historisch und kulturell Teil des europäischen Raums – ob wir es mögen oder nicht. Man kann Russland politisch isolieren, wirtschaftlich sanktionieren, militärisch abschrecken. Aber man kann es nicht aus der Landkarte löschen. Geografie ist kein Argument für Nachsicht – sie ist ein Argument für Nüchternheit.
Kohls Gedanke (in unterschiedlichen Formulierungen) war deshalb weniger Romantik als Realpolitik: Europa ist mehr als EU-Verträge. Europa ist ein Zivilisationsraum, ein historischer Zusammenhang, ein Sicherheitsraum. Und dieser Raum endet nicht an der polnischen Ostgrenze. Wer Europa ernst nimmt, muss also auch Russland mitdenken – nicht als „Freund“, sondern als Faktor, der Ordnung entweder ermöglicht oder zerstört.
Das bedeutet nicht: „Alles vergeben, alles vergessen.“ Es bedeutet: Langfristig braucht Europa eine Ordnung, die Russland einhegt und einbindet – nicht aus Sympathie, sondern aus Stabilitätsinteresse. Einhegen heißt: klare Grenzen, klare Konsequenzen, glaubwürdige Abschreckung. Einbinden heißt: definierte Kanäle, verlässliche Regeln, überprüfbare Vereinbarungen, die Interessen so verknüpfen, dass Regelbruch teuer wird.
Juristisch gesprochen: Es geht um die Rückkehr zu einem Rahmen, in dem Souveränität, territoriale Integrität und Gewaltverbot nicht als Meinung gelten, sondern als verbindliche Normen – und in dem Verstöße nicht „interpretiert“, sondern sanktioniert werden. Ohne einen solchen Rahmen bleibt Europa dauerhaft ein Krisenraum: teuer, nervös, reaktiv. Mit einem solchen Rahmen bleibt Europa handlungsfähig – und genau darum geht es.
Warum Russland aus deutscher Sicht ein attraktiver Partner sein kann – unter Bedingungen
Das Wort „attraktiv“ triggert – also präzise: attraktiv nicht als romantische Idee, sondern als nüchterne Interessenlage.
Kulturelle Nähe: ein Faktum, kein Freibrief
Deutschland und Russland teilen über Jahrhunderte vielschichtige historische und kulturelle Verbindungen: gemeinsame literarische Rezeption, wissenschaftliche Kooperationen, Migrationen deutschsprachiger Gemeinschaften nach Russland, Beiträge deutscher Fachleute beim Aufbau russischer Institutionen sowie fortwährende Austauschformate.
Das lässt sich in konkreten, belegbaren Beispielen zeigen:
- Literatur und geistige Rezeption: Russische Debatten des 19. Jahrhunderts standen in enger Auseinandersetzung mit deutscher Dichtung und Philosophie – von Goethe- und Schiller-Rezeption bis zur Frage, wie „Europa“ literarisch zu verstehen ist.
- Wissenschaft und Technik: Deutsche Naturforscher, Ingenieure und Architekten wirkten über lange Zeiträume in Russland; umgekehrt war Russland ein Raum, in dem deutsche Wissenschaft reiste, beobachtete, klassifizierte und publizierte.
- Migration und Diaspora: Wolgadeutsche Kolonien und baltendeutsche Eliten sind Beispiele dafür, dass kulturelle Verflechtung nicht nur „Idee“, sondern soziale Realität war.
- Kunst, Musik, Erinnerungskultur: Übersetzungen, Denkmäler, Ausstellungen und gegenseitige Ehrungen sind sichtbare Marker einer langen, wechselseitigen Wahrnehmung.
- Institutioneller Kulturaustausch: Kulturinstitute und Übersetzungsförderung zeigen, dass diese Nähe bis in die Gegenwart hinein formal organisiert war.
Diese Nähe ist politisch relevant – nicht, weil sie Ansprüche begründet, sondern weil sie erklärt, warum „Russland denken“ in Deutschland schneller emotional wird als in anderen Ländern.
Und genau deshalb gilt: Kulturelle Nähe ersetzt keine Rechtsnorm. Sie ist ein Kontext, kein Kriterium.
Interessenlage
- Geografie und Sicherheitsarchitektur: Stabilität in Europa ist ohne Einbindung Russlands schwer vorstellbar. Dauerhafte Ausgrenzung produziert Dauerfriktion.
- Rohstoffe und Industrie: Deutschlands Industrie denkt in Versorgungssicherheit. Russland ist (bei verlässlichen Regeln) ein naheliegender Liefer- und Kooperationsraum.
- Markt und Technologieaustausch: Wirtschaftliche Verflechtung kann Interessen verschieben – nicht automatisch, aber potenziell.
- Historische Verflechtung: Deutsche Geschichte ist mit Russland auf tragische und enge Weise verbunden. Gerade deshalb braucht es Nüchternheit statt Mythen.
Aber: Partnerschaft ist kein Geschenk. Sie ist ein Vertrag. Und Verträge brauchen Bedingungen.
Man kann Russland als Teil Europas denken und gleichzeitig russische Aggression klar zurückweisen.
Der Schlüssel ist eine saubere Trennung:
- Respekt vor einem Land und seiner Kultur
- Aber keine Toleranz für den Angriffskrieg als Methode
Wer diese Trennung nicht hinbekommt, landet in einem von zwei Extremen: Dämonisierung (die jede Lösung unmöglich macht) oder Verharmlosung (die jede Ordnung zerstört).
Was folgt daraus für Deutschland?
Deutschland hat ein Eigeninteresse an Regeln. Nicht aus Moral, sondern aus Struktur: Wir sind keine Weltmacht. Unser Wohlstand hängt an Handel, Stabilität, Berechenbarkeit.
Aber genau deshalb reicht es nicht, Regeln zu beschwören. Regeln ohne Macht sind Papier.
Die Antwort heißt nicht „Deutschland allein“. Die Antwort heißt: Europa – und zwar nicht als Sonntagswort, sondern als konkrete Handlungsfähigkeit:
- gemeinsame Verteidigungsfähigkeit (Fähigkeiten, Beschaffung, Munition, Industrie)
- gemeinsame Außenpolitik (Positionen, rote Linien, Verhandlungsmandate)
- gemeinsame Energie- und Rohstoffstrategie (Resilienz statt Abhängigkeit)
- gemeinsame Industrie- und Technologiepolitik (Souveränität in Schlüsselbereichen)
Daraus folgen drei nüchterne Konsequenzen:
Erstens: Verteidigungsfähigkeit ist Friedenspolitik. Nicht als Lust an Waffen, sondern als Schutz der Verhandlungsmacht.
Zweitens: Diplomatie braucht Härte und Angebote zugleich. Sanktionen ohne Perspektive sind ebenso kurzatmig wie „Dialog“ ohne Konsequenzen.
Drittens: Eine künftige europäische Ordnung muss Russland einhegen und einbinden können. Einhegen ohne Einbinden wird ewig teuer. Einbinden ohne Einhegen wird naiv.
Schluss: Erwachsen werden in der Außenpolitik
Deutschland muss aufhören, Außenpolitik als moralische Selbstdarstellung zu betreiben. Wir brauchen eine erwachsene Haltung: klare Grenzen, klare Interessen, klare Instrumente.
Um es klar zu sagen: Die Sanktionen gegen Russland sind richtig. Die militärische Unterstützung der Ukraine ist ebenfalls richtig. Und ja: Es war ein Fehler, dass Europa nach Kriegsbeginn noch zu lange russisches Gas gehandelt hat.
Aber genauso klar ist: Dieser Krieg hält Europa in seiner Entwicklung auf. Europa ist mehr als ein Binnenmarkt. Europa ist ein Kultur- und Ordnungsraum im globalen Kontext. Und zu diesem Raum gehört – geografisch, historisch, kulturell – auch Russland.
Nord Stream 2 wird oft als „Fehler“ gebrandmarkt. Ich sehe es anders: Es war ein strategisches Risiko. Ein Risiko, das sich materialisiert hat. Wenn Europa langfristig Stabilität will, wird es wieder Risiken eingehen müssen, um Russland unter Bedingungen und auf Augenhöhe einzubinden. Nicht aus Naivität, sondern aus dem Mut zur Ordnung.
Aber der erste Schritt liegt bei Russland: vollständiger Rückzug aus der Ukraine. Dieser Krieg bindet auf beiden Seiten Ressourcen, macht geopolitisch keinen Sinn und hält Europa auf. Und leider kann erst nach dem Ende dieses Krieges überhaupt über eine neue europäische Architektur gesprochen werden. Als Europäer können wir nicht anders handeln.
Quellen
- Europäische Kommission, Ukraine Report 2023 (SWD(2023) 699 final): https://enlargement.ec.europa.eu/system/files/2023-11/SWD_2023_699%20Ukraine%20report.pdf
- Parlament.org.ua, Shadow Report: Justice (Analyse): https://parlament.org.ua/en/analytics/shadow-report-justice-2/
- ECCIS, Alma-Ata Declaration (1991): https://eccis.org/en/page/178
- Wikipedia (DE), Erklärung von Alma-Ata (1991): https://de.wikipedia.org/wiki/Erkl%C3%A4rung_von_Alma-Ata_%281991%29
- Venice Commission, Opinion / Dokument zur Auflösung der UdSSR (CDL(1994)054-e): https://www.venice.coe.int/webforms/documents/?pdf=CDL%281994%29054-e
- United Nations Treaty Collection, Treaty between the Russian Federation and Ukraine on Friendship, Cooperation and Partnership (1997) (UNTS 3007 I-52240): https://treaties.un.org/doc/Publication/UNTS/Volume%203007/Part/volume-3007-I-52240.pdf
- Wikipedia (EN), Russian–Ukrainian Friendship Treaty: https://en.wikipedia.org/wiki/Russian%E2%80%93Ukrainian_Friendship_Treaty
- Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw), Russische Rechtfertigungen (Dossier): https://zms.bundeswehr.de/de/mediathek/zmsbw-dossier-ukraine-ina-kraft-russische-rechtfertigung-5467274
- Deutsche Welle (DW), Putins Kriegsgründe im Faktencheck: https://www.dw.com/de/putins-kriegsgr%C3%BCnde-im-faktencheck/a-60901735
- Carnegie Endowment for International Peace, Russia’s Invasion of Ukraine Changes Everything (Analyse): https://carnegieendowment.org/europe/strategic-europe/2022/02/russias-invasion-of-ukraine-changes-everything?lang=en
- Council on Foreign Relations (CFR), Ukraine, NATO, and War Termination (Report): https://www.cfr.org/reports/ukraine-nato-and-war-termination
- Consilium (EU Council Library Blog), Think tank reports on the invasion of Ukraine (Feb 2024) (Sammlung): https://www.consilium.europa.eu/en/documents-publications/library/library-blog/posts/think-tank-reports-on-the-invasion-of-ukraine-2022-february-2024/
- JSTOR, Artikel zur Rezeption deutscher Klassiker in Russland: https://www.jstor.org/stable/4203919
- Saint-Petersburg.com, Great Germans in St. Petersburg: http://www.saint-petersburg.com/famous-people/great-germans/
- Springer, Artikel zu Humboldt / Wissenschaftsgeschichte: https://link.springer.com/article/10.1134/S1875372841030129
- Wikipedia (EN), Volga Germans: https://en.wikipedia.org/wiki/Volga_Germans
- Britannica, Baltic Germans: https://www.britannica.com/topic/Baltic-Germans
- filclass.ru, Studie zu Monumentkultur: https://filclass.ru/images/JOURNAL/29-2024-3/–3-2024-17-26.pdf
- CyberLeninka, Monuments to Pushkin (historical-cultural memory): https://cyberleninka.ru/article/n/monuments-to-pushkin-in-the-context-of-historical-and-cultural-memory-of-russia-and-germany
- Goethe-Institut, Kultur in Russland: https://www.goethe.de/ins/ru/de/kul.html
Frank Wiekhorst


